Redebeitrag bei der Kundgebung gegen die B470-Ostspange in Pinzberg

Liebe Mitstreiter*innen für den Erhalt unseres schönen Wiesenttals!

Gleich vorneweg möchte ich mich bei der BIWO, Ihnen allen und stellvertretend bei Heinrich Kattenbeck für den unermüdlichen Einsatz und die Organisation dieser Kundgebung und der 1. Naturtafel bedanken!

Dass die Ostspange ökologisch schädlich ist, Landschaft zerstört und zusätzlichen Verkehr in die Fränkische Schweiz bringt, ist unstrittig.

Wie jemand, der seine Heimat auch nur ein bisschen liebt, auf die Idee kommen kann, so eine Straße zu bauen, ist mir völlig schleierhaft.

Und, dass daran im 21. Jahrhundert noch festgehalten wird – wo wir doch mittlerweile wissen, dass wir schon viel zu viel Fläche versiegelt haben, Natur zerstört haben und Luft und Klima über die Maßen belasten – dass trotzdem daran noch festgehalten wird, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Aus Forchheimer Sicht ist immer das Argument, dass die Menschen in Reuth (und in der Bayreuther Straße) endlich Entlastung brauchen. Von Lärm und Gestank. Und dass es dafür diese Umgehung bräuchte.

Richtig ist: Die Menschen in Reuth (und in Gosberg) brauchen Entlastung. Und zwar seit mehr als 30 Jahren.

Falsch ist es aber, dieses alte Problem mit alten – genauer: veralteten Lösungen anzugehen.

Umgehungsstraßen, vor allem in der bei der Ostspange vorgesehenen Größenordnung, schaffen mehr neue Probleme als sie lösen. Zu viel Straßenverkehr mit neuen Straßen zu bekämpfen, funktioniert nicht. Die neuen Straßen bringen nur noch mehr Verkehr, noch mehr Lärm, noch mehr Luftverschmutzung …

Vielen Kommunalpolitikern fällt nichts anderes ein, als auf die Umgehung zu setzen. Das ist fahrlässig! Den Menschen z.B. in Reuth ständig die Ostspange als Lösung zu versprechen und gleichzeitig nichts für deren Entlastung zu unternehmen, lässt die Menschen an der B 470 im Stich. Über 30 Jahre lang hat man das versäumt, was zu tun wäre:

  • bessere Busverbindungen von Reuth in die Innenstadt und zum Bahnhof
  • bessere Bedingungen für den Radverkehr im Forchheimer Osten
  • einen attraktiven ÖPNV nicht nur in der Stadt, sondern von allen Landkreisgemeinden nach Forchheim und Erlangen.
  • eine Bahn nach Ebermannstadt, die zu jedem Zug auf der Strecke Nürnberg-Bamberg Anschluss hat
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der B 470
  • Nachtfahrverbote für LKWs auf der B 470.

Und sage keiner, das alles geht nicht, weil wir da den Freistaat oder den Bund oder wen auch immer brauchen! Würden unsere direkt gewählten Landtags- und Bundestagsabgeordneten ihre Energie nicht für dieses sinnlose Trasse verpulvern, sondern in München und Berlin für echte Lösungen werben, dann wären wir hier schon viel weiter!

Eine Umgehung würde dagegen aus Forchheimer Sicht eher Schaden bringen:

  • weil die Lärmbelastung nur stellenweise sinken wird. Der meiste Verkehr auf der Bayreuther Str. und in Reuth ist Ziel- Quell-Verkehr, also von Reuth in die Stadt, von Forchheim Ost in die Fränkische Schweiz usw.

Den bringen wir mit einer Umgehung sowieso nicht weg …

  • Dafür wird der Lärm im ganzen Forchheimer Osten zunehmen, wenn im Wiesenttal eine attraktive Schnellstraße entsteht. Mehr und schnellere Autos werden ein Lärmband erzeugen. Und es werden auch mehr LKWs unterwegs sein …
  • Speziell die Reuther Hänge werden zusätzlich von der kurz hinter Reuth wieder auf die alte Trasse einbiegenden Straße zusätzlich verlärmt werden.

Schaden würde die Umgehung auch anderen Gemeinden

  • Ebermannstadt wird mehr Autoverkehr bekommen. Die kämpfen jetzt schon.
  • Wiesenthau bekäme ebenfalls mehr Lärm. Und die Landwirte müssten wertvolle Flächen abgeben.

Das meine ich, wenn ich von veralteten Lösungen spreche. Es sind Scheinlösungen, die am Ende auch noch zwischen 50 und 100 Millionen Euro kosten würden.

Das ist nicht zu verantworten. So können und dürfen wir als Große Kreisstadt nicht agieren! (nicht im Interesse unserer eigenen Bürgerinnen und Bürger und nicht im Interesse unserer Nachbarn)

Lasst uns stattdessen heute beginnen, unser Hirnschmalz (Kreativität) und das vorhandene Geld für menschen- und umweltfreundliche Verkehrslösungen einzusetzen!

Und jetzt lasst uns gleich unser schönes Wiesenttal und Erntedank an der Naturtafel feiern!

7. Oktober 2019